St.-Annen- bedeutendes spätgotisches Sachzeugnis
Bei einem Streifzug durch die kulturell-touristische Landschaft der Stadt zeigt sich, daß Annaberg-Buchholz mit einigen Highlights aufwarten kann. Das wohl bedeutendste Werk spätgotischer Baukunst ist die von 1499 bis 1525 entstandene Stadtkirche St. Annen. Sie ist noch heute die größte spätgotische Hallenkirche in Sachsen. In ihrem Innern beherbergt sie solche Kunstschätze wie den 1521 fertiggestellten Bergaltar von Hans Hesse, der in anschaulicher Weise die Silbererzgewinnung im 15. und 16. Jahrhundert zeigt. Er gilt als früheste Darstellung technologischer Abläufe des Bergbaus in Sachsen und zeigt daneben bildlich die Sage der Stadtgründung. Weitere spätmittelalterliche Altare die Jahrhunderte überdauert haben, u. a. der Hauptaltar vom Augsburger Bildhauer Adolf Dauher als ein Erstlingswerk der Frührenaissance in Deutschland sowie die von den Innungen der Knappen, Münzer und Bäcker gestifteten Altare im Stil der Spätgotik bzw. Frührenaissance bilden weitere künstlerische Höhepunkte. Zu nennen sind der kelchförmige Taufstein und die aus dem ehemaligen Franziskanerkloster stammende Schöne Tür, beides Werke Hans Wittens, der auch als Schöpfer der Tulpenkanzel im Freiberger Dom gilt. Aus der Werkstatt Franz Maidburgs, Jakob Hellwigs und Theophilus Ehrenfrieds stammen die 100 Emporenreliefs, die inhaltlich die wesentlichen Themen der Bibel in szenischer Darstellung, ikonographisch orientiert an Vorlagen Albrecht Dürers und Lucas Cranach des Ältern zeigen, ein in seiner Art einmaliges Kunstwerk. Die Darstellung der Lebensalter von Frau und Mann bildet eine weitere Kostbarkeit. In ironischer, aber dennoch tiefsinnigen Weise wird dort das Menschsein in den verschiedenen Lebensdekaden in Form von Tieren, denen bestimmte Charaktereigenschaften zugeschrieben werden, widergespiegelt.
Ein architektonisches Kleinod stellt das außergewöhnliche spätgotische Schlingrippengewölbe dar, das sich aus den achteckigen Säulen des Kirchenschiffs förmlich herauswindet und am First sich zu eindrucksvollen Schleifensternen vereinigt. Jakob Heilmann von Schweinfurt, ein Schüler des königlichen Baumeisters Benedikt Ried aus Prag entwarf hierfür die Pläne. In allen wichtigen Architekturwerken wird diese Besonderheit von St. Annen genannt. Im kirchenmusikalischen Bereich stellt die im Vorjahr nach umfangreicher Rekonstruktion und Restauration getreu am historischen Vorbild wieder in Betrieb genommene Walcker-Orgel aus dem Jahr 1884 mit ihren über 4000 Pfeifen und 65 Registern ein bedeutendes Sachzeugnis spätromantischer Orgelbaukunst dar. Instrumente gleicher Bauart und Größe finden sich nur in der Wiener Votivkirche, im Rigaer Dom sowie in Boston.