Figuren der Annaberger Pyramide

Adam Ries Adam Ries

"... macht nach Adam Ries" - so bekräftigt man heute noch in ganz Deutschland die Richtigkeit einer Rechenaufgabe. Adam Ries ist es schließlich gewesen, der mit seinen zahlreichen Büchern das Rechnen populär und verständlich für jedermann machte. Er gründete eine Rechenschule und arbeitete in verschiedenen Funktionen für das Bergamt. 1539 erhielt er den Titel eines "Hofarithmeticus". Zwanzig Jahre später starb Adam Ries, der Rechenmeister des deutschen Volkes. Ein Museum, ein Denkmal, eine Straße, ein Wohngebiet und eine Schule erinnern heute an den bekannten Annaberger Bürger.

Barbara Uthmann

Die Barbara Uthmann war eine außergewöhnliche Frauengestalt. Man kann sie als emanzipiert bezeichnen - ungewöhnlich für das ausgehende Mittelalter. Im jugendlichen Alter von 15 Jahren vermählte sie sich 1529 mit dem Fundgrübner Christoph Uthmann aus Schlesien. Geformt durch das Elternhaus, der Vater war Hammerherr und Zehntner in Annaberg und Marienberg, entwickelte Barbara Uthmann bald selbst unternehmerische Fähigkeiten. Auch der frühe Tod ihres Gatten veranlaßte sie zum eigenständigen Handeln. Vor allem ihr Engagement im textilen Verlagswesen (Bortenhandel), wobei sie mehreren hundert Frauen Arbeit bot, brachte Erfolg. Nicht minder von Bedeutung war ihre Geschäftstüchtigkeit im Berg- und Hüttenwesen.

1575 verstarb Barbara Uthmann in Annaberg.

Barbara Uthmann

Herzog Georg

Herzog Georg,

ein strenger Katholik, erkannte die Bedeutung des reichen Silberfundes am Schreckenberg. Auf seine Veranlassung hin versammelte sich am 21. September 1496 eine herzogliche Kommission in Frohnau, die den Standort einer neuen Stadt festlegte. Es ist das Geburtsdatum der Stadt Annaberg. Georg war ein eifriger Förderer des Bergbaus und der jungen Kommune. Er verlieh ihr Privilegien, erbat beim Kaiser ein sinnreiches Stadtwappen und veranlaßte die Einführung einer Wallfahrt, aus der das heutige Volksfest "Kät" hervorging. Annaberg war seine liebste Stadt - verständlich, sie füllte mit ihrem Silber seine Staatskasse. Herzog Georg starb 1539.

Heilige Katharina

Die Schutz- und Namenspatronin des Stadtteiles Buchholz ist die Heilige Katharina. Sie war eine ägyptische Prinzessin und christliche Märtyrerin, die wahrscheinlich im 4. Jahrhundet lebte. Ihre Attribute, Schwert und Rad, verweisen auf die Folter, der sie ausgesetzt war. Sie ist die Schutzheilige der Theologen, Philosophen, Advokaten, der Lehrer und Studenten. Ursprünglich hieß die 1501 gegründete Schwesterstadt von Annaberg St. Katharinenberg im Buchholz. Die Kirche in diesem Stadtteil trägt heute noch den Namen der Heiligen.

Heilige Katharina

Agricola

Agricola,

eigentlich Georg Pawer, war ein humanistischer Universalgelehrter und gilt als Begründer der Montanwissenschaften in Deutschland. Geboren wurde er 1494 in Glauchau. Georgius Agricola beschäftigte sich mit den unterschiedlichsten Wissensgebieten, so der Medizin, den Geowissenschaften, dem Montanwesen, der Technik, der Metrologie, der Geschichte, der Politik, dem Rechenwesen und der Philosophie. Zu seinen Lebensstationen gehörten Leipzig, Zwickau, Joachimsthal und Chemnitz. In letztgenannter Stadt war er mehrmals Bürgermeister. Hier verstarb er 1555. Sein wissenschaftliches Hauptwerk "De re metallica" erschien 1556 in Basel.

Heilige Anna

Einige neutestamentliche Apokryphen nennen Anna (Hanna) als Mutter der Jungfrau Maria. Diese Angabe ist historisch nicht eindeutig nachweisbar, hatte aber seine Bedeutung in der Kirchengeschichte und der sakralen Kunst. Herzog Georg war ein Verehrer dieser Heiligen, die auch als Patronin der Bergleute galt. Grund genug, die neue Bergstadt unter den Schutz der Anna zu stellen. 1501 erhielt die Stadt von Kaiser Maximilian I. den Namen "St. Annaberg" und ein Wappen mit der Heiligen. Auch die monumentale spätgotische Hallenkirche wurde ihr geweiht.

Heilige Anna

Daniel KnappeDaniel Knappe

Daniel Knappe

Ein Engel erschien dem armen Knappe im Traum. Der sprach zu ihm: "Geh morgen hinaus in den Wald droben am Fuß des Schreckenberges. Dort wirst du eine Tanne finden, die alle anderen an Höhe überragt. Sie hat in den Zweigen ein Nest mit goldenen Eiern. Suche den Baum, denn die Eier sind dein!" Am nächsten morgen brach Daniel Knappe auf, um den Baum zu suchen. Er fand ihn und kletterte bis in die höchsten Zweige, sah aber keine goldenen Eier. Traurig stieg er ab und setzte sich an den Fuß des Baumes, um sich auszuruhen. Dabei fiel ihm ein, daß unter den Zweigen auch die Wurzeln gemeint sein könnten. So eilte er heim, holte sein Gezäh und begann neben dem Baum die Erde zu durchbrechen. Ein mächtiger Silbergang blickte ihm entgegen. Daniel Knappes Traum wurde war.

Bergmann

Bergmann in Paradetracht

Der Bergmannsstand war geachtet und hatte eine privilegierte Stellung. Das drückte sich auch in der Festkleidung aus. Viele Bergleute trugen nicht nur die schmutzige Kluft untertage, sondern hatten auch ein uniformähnliches Gewand (Habit), das durch landesherrliche Reglementierungen im 18. und 19. Jahrhundert eine Abstufung der einzelnen bergmännischen Berufsgruppen erkennen ließ. Noch heute sieht man die prächtige Kleidung der Bergleute in den großen Bergaufzügen, besonders in der Adventszeit.

Hauer

Der Hauer, das Urbild des Bergmanns, ist derjenige, der vor Ort das Erz aus dem Felsgestein brach. In mühselig gebückter Haltung, nur mit dem schwachen Lichtschein seines Geleuchts arbeitete er in der Tiefe des Berges. Schlegel und Eisen waren das bergmännische Werkzeug jener Zeit. Unter Annaberg verläuft ein kilometerlanges Labyrinth von aufgefahrenen Gängen und von Schächten. Welche gewaltigen Leistungen die Hauer vor 500 Jahren dabei erbrachten, läßt sich nur ahnen. Auch unter dem Markt, dem Standort der Pyramide, hinterließen die Hauer ihre Spuren, gibt es alte Bergbaustollen.

Hauer

Rutengänger

Rutengänger

Das Silber lockte Menschenmassen - Bergleute, Handwerker, Künstler, Händler und allerlei Glücksritter. Manchmal fand man es durch Zufall, ein andermal durch gezieltes Schürfen oder man verließ sich auf die Wünschelrute, stets in der Hoffnung schnell reich zu werden.
Der Rutengänger, ein Suchender, verkörperte auch den Zwiespalt zwischen Wissenschaft und Mystik. Mit primitiven Methoden, deren Wirkung heute noch umstritten ist, war man damals dem Edelmetall und dem im Bergbau benötigten Wasser auf der Spur.

Schmelzer

Das von den Bergleuten mühevoll gewonnene silberhaltige Gestein wurde in Pochwerken zerkleinert und in Hüttenwerken ausgeschmolzen. Die für die Annaberger und Frohnauer Gruben tätigen Silberhütten standen im Sehmatal. Die Pyramide trägt den Schmelzer als Symbolfigur für die Verarbeitung der Erze übertage. Auch deren Arbeit war nicht leicht. Während der Bergmann den Gefahren in der Tiefe ausgesetzt war, litten die Schmelzer an den giftigen Dämpfen und Gasen (besonders Arsen), die beim Schmelzprozeß freigesetzt wurden. Das ausgeschmolzene Silber gelangte größtenteils in die Annaberger Münzstätte, um geprägt als Gulden oder Groschen (bekannt unter dem Namen Engelsgroschen oder Schreckenberger) unters Volk zu kommen.

Schmelzer

Heimarbeiterin

Heimarbeiterin

Vor der großen Industrialisierung in der Mitte des 19. Jahrhunderts bestimmte die Heimarbeit im wesentlichen die textile Produktion. Tausende Männer, Frauen und Kinder saßen in den heimischen Stuben an Posamentierstühlen, Klöppelsäcken, Garnwinden und anderen Gerätschaften. Die heimische Wohnung diente zugleich als Arbeitsstätte. Aber auch noch bis in die jüngste Vergangenheit war die Heimarbeit verbreitet. Verschiedene Annaberger Betriebe beschäftigten neben dem Personal in der Fabrik eine Reihe Frauen, die zu Hause Posamenten fertigten oder Taschen nähten.

Verleger

Die in Heimarbeit gefertigten Klöppelspitzen und Posamenten wurden in der Regel über Verleger abgesetzt. Sie bereisten die Messen und trieben Handel. Wichtige Untensilien waren dabei die Musterbücher, die Proben des gesamten Sortiments enthielten. Auf der Grundlage dieser Bücher wurden Aufträge vergeben, die die Verleger an die Heimarbeiter weiterleiteten. Posamanten aus dem Erzgebirge gingen in viele Länder der Welt, auch über den Atlantik, in die USA.

 

Verleger

PosamentiermeisterPosamentiermeisterin

Posamentiermeister und Posamentiermeisterin

Annabergs Bedeutung als Industriestadt wurde vor allem durch das Posamentierwesen begründet. Schon im 16. Jahrhundert wurden hier "gedrehte Schnuren" gefertigt. Zunächst waren es die in der Innung zusammengeschlossenen Handwerksmeister, die den Ruf der Stadt als Posamentenmetropole prägten. Im 19. Jahrhundert, mit der Einführung der Mühlstühle und der Gewerbefreiheit, entstanden eine Vielzahl von Posamentenfabriken und Verlagshäuser, die dafür sorgten, daß Annaberger und Buchholzer Posamenten in alle Erdteile gelangten. Hier fanden viele Menschen Arbeit, vor allem auch Frauen. Diese traditionsreiche Branche gibt es heute noch in der Stadt.

Engel

Der Engel,

biblisches Symbol des Guten und des Schutzes, ist ein unverzichtbarer Bestandteil der bergmännischen Frömmigkeit und des erzgebirgischen Weihnachtsbrauchtums. Es war täglich ein neues Risiko in den Berg hinab zu steigen. So mancher Hauer erlebte durch Unfall oder Verschüttung dort seine "letzte Schicht". Der Engel stand für den gläubigen Bergmann als schützendes Wesen stets neben ihm. Engel führten nach Schichtschluß das Bergvolk wieder ans Tageslicht und heim zu den Familien. So läßt sich erklären, warum als traditionelle Weihnachtsfiguren im Erzgebirge der Bergmann und der Engel stets zusammenstehen.

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