Anton Günther

Lieder- und ...

Anton Günther wurde am 5. Juni 1876 in der kleinen Bergstadt Gottesgab (heute Bozi Dar in Tschechien) geboren. Er wuchs in einer musikalischen Familie zusammen mit sechs Geschwistern auf. Seine Kindheit war von großer materieller Armut geprägt. Frühzeitig mußte er mithelfen, für das tägliche Auskommen der Familie zu sorgen. Gleichzeitig lernte er die heimatliche Natur kennen und lieben, ihre ganze Schönheit, aber auch Rauheit. Gern wäre er Förster geworden, doch dann hätte er seine Geschwister finanziell wenig unterstützen können. So begann er 1892 die Lehre bei einem Lithographen in Buchholz (heute Annaberg-Buchholz).

Um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, mußte er Abschied nehmen von seiner erzgebirgischen Heimat. In Prag trat er in die K. K. Hoflithographie A. Haase ein. Wohl fühlte er sich nicht in der Fremde. So ist es nicht verwunderlich, daß er - von Heimweh geplagt - sein erstes Lied in Mundart, "Derham is derham", schrieb. Schnell wurde es bekannt. Ermutigt durch den Erfolg, schrieb er weiter, immer neue Lieder entstanden. Texte und Melodien ließ er auf Postkarten drucken, so daß sie rasch Verbreitung fanden.

Als 1901 sein Vater starb, kehrte er nach Gottesgab zurück. Von nun an sorgte er mit der heimischen kleinen Landwirtschaft für die Familie. Seinen geliebten Beruf mußte er dafür schweren Herzens aufgeben. Doch dem Singen und Dichten widmete er sich weiter. Er sah darin eine Möglichkeit, bestärkt durch die Erfolge in Prag, sich eine Existenz aufzubauen.

So zog er nach getaner Arbeit mit seinem Bruder durch die Lande. Überall wo er hinkam, stimmte er seine Lieder an und verkaufte sie auf Liedpostkarten. Sie eroberten das ganze Erzgebirge. Bald kannte man ihn als den Volksdichter Anton Günther, auch "Tolerhans-Tonl" genannt.

Glück und Erfolg prägte die Zeit bis zum Ausbruch des 1. Weltkrieges. Er heiratete und hatte mit seiner Frau drei Kinder.

1914 wurde er zum österreichischen Heer einberufen. Das Kriegsende 1918 brachte neben neuer Not und menschlicher Verluste auch politische Veränderungen. Mit Gründung des tschechischen Staates kam es zu tiefgreifenden Veränderungen im alltäglichen Leben der deutschstämmigen Bevölkerung.

Anton Günther versuchte auf seine Art, die historisch gewachsene Verbindung zwischen den Menschen dies- und jenseits der Grenze aufrecht zu erhalten. Die Gefühle, die ihn bewegten, spiegelten sich nach wie vor in seinen Liedern und Gedichten wider. Bekannt und beliebt, blieb er der einfache Mann aus dem Volk, zugänglich für jedermann.

Doch in den Jahren des Nationalsozialismus spitzte sich die politische Situation weiter zu. Die damit verbundenen Auswirkungen auf die Menschen lasteten schwer auf seiner Seele. Die Schließung der Grenze hatte zur Folge, daß seine hauptsächliche Einnahmequelle, der Verkauf von Liedpostkarten auf deutscher Seite, wegfiel. Darüber hinaus war ihm der Umgang mit vielen vertrauten Freunden und Bekannten verwehrt. Er fühlte sich in seinem gesamten Denken und Handeln nicht mehr frei, vielmehr einsam und eingeschränkt.

Am 29. April 1937 schied er freiwillig aus dem Leben.

Doch der Name des Heimatdichters Anton Günther ist nicht vergessen. Noch heute kennt und singt man seine Lieder, auch über die Grenzen des Erzgebirges hinaus.

-----> Die schönsten Lieder von Anton Günther <-----

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