Karl Stülpner
Wildschütz

Stülpner
Bildquelle: Adam-Ries-Museum

Noch vor dem Ende des Siebenjährigen Krieges wurde Karl Stülpner am 30. September 1762 in Scharfenstein geboren.

In dieser Zeit sollte es keinem zu gut gehen. Im Jahre 1770 bricht ein grauenvolles Geschehen herein: eine Hungersnot. Die Ernten verderben durch den langen Winter und den nassen Sommer. Das ist die Ursache für die steigenden Preise. Auch im kommenden Jahr wurde durch das schlechte Wetter die gesamte Ernte vernichtet. Das große Sterben hatte begonnen. Die Landstraßen wurden zu Schaustellungen der Armut und des Elends. 1772 wiederholte sich die Missernte im Gebirge. Ein Heer arbeitsloser, armer Menschen war geblieben.

Der Stülpnervater Johann Christoph ist wahrscheinlich ein Opfer dieser furchtbaren Hungersnot geworden. Karl Stülpner musste die entstandene Lücke ausfüllen und wurde so selbstständig. Die Schulden seiner Mutter wuchsen, bis sie schließlich ihr Haus verkaufen mussten. Die Stülpners gehörten zu den Ärmsten der Armen.

1778 entsteht ein neuer Krieg, in dem Stülpner als Soldat diente. Nach dem Kartoffelkrieg ist er zu seiner Mutter zurückgekehrt. Dort verdiente er sein Brot durch Gelegenheitsarbeit, vor allem aber begann er zu wildern.

Zu dieser Zeit war jeder Schuss auf ein Stück Wild zugleich so etwas wie eine Demonstration gegen Amtmann, gnädigen Herrn und Durchlaucht den Herzog. Doch Bauernschaft und Sympathisierende unterstützten die Wilderer, wo sie nur konnten. Als er sich 1780 zu 8 Jahren Dienst verpflichtete, wurde er von Chemnitz nach Zschopau versetzt. Die Offiziere wussten von seiner Begabung des Wilderns. Stülpner konnte so ungestört jagen, bis er sich mit dem Jägerburschen Ziegler schlug und nach Chemnitz in Haft genommen wurde. Bei einem Marsch flüchtete er nach Scharfenstein und in die böhmischen Wälder.

Nach einer großen Wanderung kehrte Stülpner zurück, wo man sich nach der langen Zeit kaum noch um ihn kümmerte. Er wurde Anführer einer Gruppe von Wildschützen und streifte mit ihr durch die großen Reviere des sächsischen und böhmischen Erzgebirges. Man erzählte sich, wie er gegen Diebe und Räuber einschritt, anmaßende Forstbeamte bestrafte und Unterdrückten und Hilfesuchenden zur Seite stand.

Um sich den eingesetzten Verfolgungen zu entziehen, nahm er erneut seine Wanderungen auf. Nach heftigem Kampf musste er sich der Übermacht ergeben. Im Reichskrieg gegen Frankreich kämpfte Stülpner bei den Preußen. Als er verwundet wurde, desertierte er und wanderte seiner Heimat entgegen.

1790 begann ein Bauernaufstand, der zum Scheitern verurteilt war, weil die Bauern allein blieben, das Bürgertum beteiligte sich nur zögernd. Als Stülpner 1794 aus dem Krieg wieder nach Scharfenstein kam, erkor ihn das erzgebirgische Volk zum Helden, weil er gegen die anging, die auch ihre Feinde waren. Er begann wieder zu wildern und wurde dafür von der Obrigkeit getrieben. Nur durch die Unterstützung einer zahlreichen Anhängerschaft war eine solche langwährende und erfolgreiche, ungefährdete Wilderertätigkeit überhaupt möglich.

1800 brach er mit dem bisherigen Wildererdasein ab und kehrte zu seinem Regiment nach Chemnitz zurück. 1807 desertierte er. 1813 kehrte er mit seiner Familie nach Scharfenstein zurück. Er trug die Last der Vergangenheit mit sich herum. Die drückte ihn krumm und müde. Seine Kräfte schwanden und schließlich verlosch das Leben des Wildschützen am 24. September 1841. Auf dem Friedhof in Großolbersdorf fand er zum ersten Male die Ruhe, die er so lange gesucht hatte.

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